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Schad- und Störstofferkundung


Urban Mining ist seit Jahren ein vielbeachtetes Thema im Forschungsbereich. Urban Mining beschreibt die Tatsache, dass unsere Städte auch als eine riesige Mine für vielerlei Rohstoffe (Metalle, Baustoffe wie Beton, Ziegel und Holz uvm.) anzusehen sind. Wenn wir als Volkswirtschaft (national wie global) zu einer Kreislaufwirtschaft kommen wollen, was dringend notwendig ist (!), dann müssen wir klare gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen.

Ein wichtiger Baustein ist die österreichische Recycling-Baustoff-Verordnung (BGBl.II 181/2015). "Ziel dieser Verordnung ist die Förderung der Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz, insbesondere die Vorbereitung zur Wiederverwendung von Bauteilen und die Sicherstellung einer hohen Qualität von Recycling-Baustoffen, um das Recycling von Bau- und Abbruchabfällen im Sinne unionsrechtlicher Zielvorgaben zu fördern.", erklärt der §1 das Verordnungsziel.

Weiters heißt es dort in §4: "Vor Abbruch eines Bauwerks oder mehrerer Bauwerke im Rahmen eines Bauvorhabens, bei dem insgesamt mehr als 100 t Bau- und Abbruchabfälle, ausgenommen Bodenaushubmaterial, anfallen und mit einem gesamten Brutto-Rauminhalt von mehr als 3.500 m3, ist anstatt einer orientierenden Schad- und Störstofferkundung gemäß Abs. 1 eine Schad- und Störstofferkundung gemäß ON-Regel 192130 „Schadstofferkundung von Bauwerken vor Abbrucharbeiten“, ausgegeben am 1. Mai 2006, oder gemäß ÖNORM EN ISO 16000-32 „Innenraumluftverunreinigungen, Teil 32: Untersuchung von Gebäuden auf Schadstoffe“,.... durchzuführen."

bauXund bietet mit Partnern solche Schad- und Störstofferkundungen an. In Gebäuden müssen bei der Erkundung Bauteile mit vielfach heute bereits verbotenen Schadstoffen identifiziert werden, die dann vor dem Abbruch zu entfernen sind. Denn diese sind als Verunreinigungen von daraus erzeugten recyclierten Baustoffen weitestgehend zu vermeiden. Beispiele für solche Schadstoffe sind Asbest, künstliche Mineralfasern, FCKW und HFCKW, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Polychlorierte Biphenyle (PCBs) und Holzschutzmittel wie PCP und Lindan.

Warum dies Eigentümern von abzubrechenden Gebäuden, die damit auch rechtlich Abfalleigentümer sind, in jedem Fall interessieren sollte, ist dem §5 (5) der o.a. Verordnung zu entnehmen: "Der Bauherr hat die Dokumentation der Schad- und Störstofferkundung mindestens sieben Jahre nach Abschluss des Abbruchs eines Bauwerks oder mehrerer Bauwerke im Rahmen eines Bauvorhabens aufzubewahren und der Behörde auf Verlangen vorzulegen."  Fehlt dieser Nachweis drohen Strafen durch den Zoll bzw. das Finanzamt bzw. Nachzahlungen des Altlastensanierungsbeitrag (ALSAG) für das nicht deponierten Abbruchmaterial. 

Wie ist der Ablauf einer gesetzes- und normkonformen Schad- und Störstofferkundung? 

  1. Schadstofferkundung vor Ort, basierend auf den Ergebnissen der Erhebung historischer Unterlagen (etwa Bescheiden von Bau- bzw. Gewerbebehörde). Bei dieser werden auch Proben von Materialien entnommen, die in Verdacht stehen schadstoffhaltig zu sein. Diese werden anschließend laboranalytisch untersucht, um den Verdacht abzuklären. Die Ergebnisse werden detailliert dokumentiert.
  2. Störstofferkundung vor Ort: Störstoffe sind Materialien, die beim geplanten Baustoffrecycling stören würden. Diese werden ergänzend zu den Schadstoffen erfasst und dokumentiert. 
  3. Erstellung eines Rückbaukonzeptes: lm Rückbaukonzept sind Art, Umfang und Organisation des Abbruchs zu beschreiben, die Aufgaben, Maßnahmen und Verantwortungsbereiche der Beteiligten zu regeln und die Organisation des Rückbaus bzw. Abbruchs in den verschiedenen Phasen festzulegen.
  4. Abschlussbegehung zur Feststellung des Freigabezustandes: Es muss nach Abschluss der allfälligen Schadstoffentsorgungsarbeiten deren vollständige Umsetzung durch eine Begehung bestätigt werden.