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Schadstoff-Detektive gefragt


Asbest, PCBs, PCP, PAK, FCKW, VOC, Weichmacher, Schwermetalle – die Hitparade der Schadstoffe, die in alten Gebäuden potenziell zu finden sind, ist lang. Diese bergen, mobilisiert durch Abbrucharbeiten, vielfältige Risiken für Mensch und Umwelt.

bauXund beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit der Schadstoffvermeidung bei Neubau- und Sanierungs-Bauvorhaben und seit 2015 auch mit der Schadstofferkundung von Gebäude vor deren Abbruch.

Am  1.1.2016 ist in Österreich die Recycling-Baustoff-Verordnung (BGBl.II 181/2015) in Kraft getreten. Dadurch gibt es erstmals für ganz Österreich gesetzlich verbindliche Vorgaben für die Entfernung von Schadstoffen aus Gebäuden vor deren Abbruch. Viele davon sind heute bereits verbotene Baustoffe und Bauchemikalien wie die oben angeführten Asbest, PCBs & Co.

„Die neuen gesetzlichen Vorgaben stellen aus ökologischer Sicht eine echte Verbesserung des bisherigen Status-quo dar“, stellt bauXund-Geschäftsführer Dr. Thomas Belazzi fest. “Gleichzeitig ist die Verordnung auch ein Weckruf an alle, die heute noch bei neuen Bauvorhaben keine bauökologischen Kriterien vorgeben. Denn diese werde die leicht vermeidbaren Altlasten von morgen und übermorgen sein.“

Die Verordnung definiert die Grundlagen für die „Entgiftung“ alter Bausubstanz durch deren ordnungsgemäße Entsorgung. Und fördert damit das Recycling von (davor entgifteten) Bau- und Abbruchabfällen. Denn nur so sind eine Wiederverwendung von Bauteilen bzw. Baustoffen und die Sicherstellung einer hohen Qualität von so gewonnenen Recycling-Baustoffen umsetzbar. Erst damit kann das heute oft angestrebte „Urban Mining“ real umgesetzt werden.

Die Umsetzung der Vorgaben der Recycling-Baustoff-Verordnung erfolgt in vier Teilen:

  1. Schadstofferkundung vor Ort, basierend auf den Ergebnissen der Erhebung historischer Unterlagen (etwa Bescheiden von Bau- bzw. Gewerbebehörde). Bei dieser Begehung werden auch Proben von Materialien entnommen, die in Verdacht stehen schadstoffhaltig zu sein. Diese werden anschließend laboranalytisch untersucht, um den Verdacht abzuklären. Die Ergebnisse werden detailliert dokumentiert.
  2. Störstofferkundung vor Ort: Störstoffe sind Materialien, die beim geplanten Baustoffrecycling stören würden. Dies sind etwa diverse Holzprodukte, Dämmstoffe oder Gipskartonplatten. Diese werden ergänzend zu den Schadstoffen erfasst und dokumentiert. 
  3. Erstellung eines Rückbaukonzeptes: lm Rückbaukonzept sind Art, Umfang und Organisation des Abbruchs zu beschreiben, die Aufgaben, Maßnahmen und Verantwortungsbereiche der Beteiligten zu regeln und die Organisation des Rückbaus bzw. Abbruchs in den verschiedenen Phasen festzulegen.
  4. Abschlussbegehung zur Feststellung des Freigabezustandes: Es muss nach Abschluss der allfälligen Schadstoffentsorgungsarbeiten deren vollständige Umsetzung durch eine Begehung bestätigt werden.

Bis dato wurde im besten Falle die Anwesenheit von Asbest-haltigen Baustoffen vor Abbruch überprüft und diese dann, wenn vorgefunden, entfernt. Mit der nun in Kraft getretenen Baustoff-Recycling-Verordnung müssen nun eine breite Palette von explizit angeführten  Schadstoffe und erstmals auch die Störstoffe erfasst werden und auf diesen Erkenntnissen ein Rückbaukonzept erstellt werden. Dessen erfolgreiche Umsetzung muss durch eine Abschlussbegehung nach Abschluss der Entsorgungsarbeiten überprüft werden.